Hochwasserschutz: stationär oder mobil?

Redaktion: Daniel von Bau-Lex · Aktualisiert am

Stationäre Schutzsysteme sind im hier verwendeten Begriffsrahmen weitgehend ohne zusätzliches Handeln bereit. Mobile Systeme müssen im Ereignisfall bereitgestellt, aufgebaut oder aktiviert werden. Entscheidend ist deshalb der erforderliche Ablauf bis zur Schutzbereitschaft. Auch ein ortsfestes System mit beweglichen Teilen kann eine Aktivierung benötigen. Für Starkregen mit kurzer Vorwarnzeit ist diese Abhängigkeit besonders kritisch.

Vergleichstabelle

KriteriumStationärer SchutzMobiler oder zu aktivierender Schutz
BereitschaftWeitgehend ohne Handeln im EreignisAufbau oder Aktivierung prüfen
Kurze VorwarnzeitGeringere Abhängigkeit vom AufbauReale verfügbare Zeit entscheidend
AlltagsnutzungBauliche Einbindung und ZugänglichkeitNutzung vor und nach Aktivierung klären
BetriebZustand und InstandhaltungZusätzlich Zuständigkeit, Verfügbarkeit und Bereitstellung
PrüfumfangZum konkreten System und Einsatz abgleichenZum konkreten System und Einsatz abgleichen

Stationärer Schutz

Vorteile

  • Die geplante Schutzfunktion hängt weitgehend nicht von einem Aufbau im Ereignisfall ab.
  • Kann bei sehr kurzer Vorwarnzeit eine wesentliche Einsatzabhängigkeit vermeiden.

Nachteile

  • Bauliche Einbindung und Folgen für die Nutzung müssen zum konkreten Ort passen.
  • Dauerhafte Bereitschaft ersetzt weder Instandhaltung noch die Prüfung des Einsatzbereichs.

Mobiler oder zu aktivierender Schutz

Vorteile

  • Kann Öffnungen oder Durchgänge außerhalb des Ereignisses für die vorgesehene Nutzung freihalten.
  • Kann eine stationäre Lösung ergänzen, wenn die örtliche Planung dies vorsieht.

Nachteile

  • Warnung, verfügbare Personen, Teile und ein erreichbarer Einsatzort können Voraussetzung sein.
  • Auch ortsfeste bewegliche Elemente sind ohne erforderliche Aktivierung noch nicht einsatzbereit.

Fazit

VdS 6001 beschreibt in seiner unverbindlichen Ausgabe von Februar 2014 planmäßig mobile Systeme mit vorbereiteten Einbaustellen und notfallmäßige Systeme ohne solche Vorkehrungen. Ortsfeste Systeme mit erst im Ereignis aktivierten beweglichen Elementen ordnet die Quelle ebenfalls den mobilen Systemen zu. Der Vergleich folgt diesem Begriffsrahmen; ein Produktetikett wie teilmobil beantwortet die Bereitschaftsfrage noch nicht. Baden-Württemberg weist auf die bei Starkregen oft sehr kurze Vorwarnzeit hin. Lassen Sie deshalb den Ablauf von der Warnung bis zur funktionsfähigen Schutzstellung und die dafür erforderlichen Personen und Mittel konkret benennen. Das ist eine Planungsfrage und keine Aufforderung, bei bereits einströmendem Wasser einen Aufbau zu versuchen. Die aktuelle VdS-Information unterscheidet direkt am Gebäude angeschlossene und vorgelagerte Systeme; beide Aufgaben sind von der Frage stationär oder mobil zu trennen. Sie unterscheidet außerdem eine hydrostatische Prüfung von optionalen dynamischen Prüfungen. Lassen Sie den tatsächlich bescheinigten Einsatzbereich mit den örtlichen Einwirkungen abgleichen. Eine Bezeichnung als geprüft bestätigt nicht automatisch Anströmung, Überströmung oder Treibgutanprall; völliger Wasserrückhalt ist nicht immer erreichbar. Der Schutz einzelner Öffnungen ersetzt kein Gebäudekonzept für Wasserdruck, Auftrieb und weitere Eintrittswege. Die Hochwasserschutzfibel erläutert diese Einwirkungen. Planung und Tragwerksbeurteilung müssen sie objektbezogen berücksichtigen. Dieser Vergleich gibt weder eine zulässige Einstauhöhe noch Montagefolgen, Prüfklassen oder eine Objektfreigabe vor. Fiktiver Vergleichsfall: Zwei Angebote nennen jeweils fest eingebaute Führungsschienen. Bei einem System müssen weitere Teile vor dem Ereignis eingesetzt werden. Die Eigentümer lassen deshalb die erforderliche Aktivierung und die betriebliche Verfügbarkeit gesondert darstellen. Die befestigte Schiene allein wird nicht als ständig wirksamer Schutz gewertet.

Quellen und redaktioneller Stand

Quellenstand redaktionell abgeglichen am .

Die Angaben dienen der fachlichen Orientierung und ersetzen keine individuelle Rechts-, Planungs- oder Statikberatung.